Kilimanjaro: Die Besteigung

Die erste Nacht am Kilimanjaro

In der Nacht begann es plötzlich zu regnen. Tropfen fielen auf mein Gesicht – das Zelt war undicht. Komischerweise konnte ich den Regen nicht hören. Völlig verdutzt kramte ich nach meiner Stirnlampe und schaltete sie ein. Dann überkam mich die Erkenntnis: Wir hatten vergessen die Lüftungsschlitze des Zelts zu öffnen. Der Regen war am Zeltdach kondensierter Wasserdampf aus unserem Atem. Erleichtert öffnete ich die Schlitze. Erst jetzt bemerkte ich wie kalt es in der Nacht geworden ist. Fröstelnd kuschelte ich mich wieder in meinen Schlafsack und konnte noch eine erholsame Nacht verbringen.

Pole, pole!

Kurz nach Sonnenaufgang läutete unser Wecker. Die Sonne wärmte uns angenehm nach der kalten Nacht. Um 7:30 Uhr gab es das erste Frühstück am Kilimanjaro. Mit jeder Minute wurde es wärmer und bald legten wir die Jacken wieder ab. Wir hatten viel Zeit um ausgiebig zu frühstücken, denn die heutige Etappe war ziemlich kurz. Es galt nur 800 Höhenmeter zu überwinden. Das Ziel des heutigen Tages war die Shira Hut auf 3.800 Meter. Erst gegen 9:00 Uhr marschierten wir los. Nach wenigen Stunden auf einem steilen Weg kamen wir schon am neuen Lagerplatz an. Unterwegs ermahnten uns abwechselnd die Träger und Guides mit dem berühmten „Pole!“ langsam zu gehen.

Der Weg zum Shira Camp am Kilimanjaro.

Der Ort für die Shira Hut ist sehr gut gewählt. Man sieht von hier den Kibo und den Mount Meru. Der Nachmittag stand zu unserer freien Verfügung. Wir nutzen die Zeit um mit unserem österreichischen Bergführer den Kilimanjaro näher zu erkunden, uns zu unterhalten und zu scherzen. In der Nähe des Lagerplatzes gab es einen kleinen Fluss, mitsamt Wasserfall, der direkt von den Gletschern des Kilimanjaro gespeist wird. Den konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Nach ein paar Stunden begann der Sonnenuntergang. Und wieder bewahrheitete sich ein alter Spruch: „Die Nächte am Berg sind lange“. Sobald die Sonne untergegangen war, war es stockdunkel. Man konnte im Grunde nichts tun, bis die ersten Sonnenstrahlen den Kilimanjaro in sanftes Licht tauchten.

Das Lager bei der Shira Hut am Kilimanjaro.

Der Kibo von der Shira Hut aus gesehen.

Wege entstehen dadurch, dass man sie geht

Um 7:00 Uhr des nächsten Morgens war Tagwache. Etwa Stunde später brachen wir auf. Die nächste Etappe unserer Tour am Kilimanjaro führte uns zur Barranco Hut auf 3.980 Meter. Wir mussten wieder nur wenige Höhenmeter überwinden, es ging sogar einige hundert Meter bergab. Doch die Wegstrecke war insgesamt länger als die letzte Etappe. Der Weg führte uns um einen Teil des Kilimanjaro weshalb wir ihn aus verschiedenen Perspektiven zu sehen bekamen. Im Laufe des Tages zog leider Nebel auf. Dieser war teilweise so dicht, dass man nur wenige Meter Sicht hatte.

Senezien am Weg zur Barranco Hut am Kilimanjaro.

Aber Gott sei Dank war es am Kilimanjaro auch windig. So verzog sich die Nebelsuppe dann und wann. Der Pfad schlängelte sich durch Geröllfelder. Die unterschiedlichen Lavasteine, die vor vielen Jahren vom Vulkan Kilimanjaro ausgespuckt wurden, waren unsere einzigen Begleiter. Es gab kaum Pflanzen zu sehen.

Der Weg zum Barranco Camp am Kilimanjaro.

Unterwegs teilte sich der Weg. Links ging es zum Lager, rechts zum ungefähr 50 Meter hohen Lava Tower. Natürlich bogen wir rechts ab und es lohnte sich. Der Lava Tower liegt auf ungefähr 4.500 Meter und ragt weit über die restlichen Felsen. Innerhalb weniger Minuten besteigen wir ihn und freuten uns schon auf die Aussicht. Durch den Nebel war an eine weite Sicht aber nicht zu denken. Deshalb stiegen wir nach ein paar Minuten auch wieder ab.

Der Lava Tower am Kilimanjaro.

Wegen der Höhe und dem Abstecher zum Lava Tower des Kilimanjaro brauchten wir länger als erwartet zum nächsten Rastplatz, der Barranco Hut. Nach fast sieben Stunden kamen wir erschöpft an. Die Barranco Hut liegt in einem kleinen Tal. Hier gab es auch wieder Pflanzen, man sah sehr viele Senezien, die in kuriosen Formen wachsen. Ab und zu sah man auch Tiere. Besonders Vögel schienen dauernde Bewohner des Lagers zu sein. Sie laben sich an den Überresten der Touristen. Nein, natürlich nicht an den Touristen selbst, sondern an dem, was sie zurückgelassen haben. Oder auch unbeaufsichtigt gelassen haben. Bei unserer Ankunft gab es erst einmal Tee und Kekse. Nach dem Abendessen eine Stunde später konnten wir uns endlich in unsere Schlafsäcke begeben und uns für den nächsten Tag ausruhen.

Der Kibo vom Barranco Camp aus gesehen.

Der Mount Meru bei Sonnenaufgang.

 

6 Kommentare

  1. Die Bilder vom Kilimanjaro sind ja sehr beeindruckend. 🙂 Ich bin ja auch gerne in den Bergen unterwegs – allerdings machen nach einiger Zeit meine Knie nicht mehr ganz mit. 🙁

    Also muß ich hier weiterhin mitlesen und mich beeindrucken lassen. 😉

    • Danke. Die Knie-Probleme kenne ich auch schon, aber Gott sei Dank halten sie sich noch in Grenzen. Ich will gar nicht daran denken, nicht mehr wandern zu können.

  2. WOW – ich finde so Bergetappen immer ziemlich cool! Ich träume ja davon, mal auf dem Matterhorn zu stehen (und zwar nicht nach einer Helitour 😉 ).

    Weisst du, wie viele Menschen so pro Tag +/- den Kilimanjaro besteigen? Sieht auf jeden Fall sehr sehr chic aus!

    • Pro Tag kann ich es dir nicht sagen. Pro Jahr sind es um die 45.000, wobei sich einige Monate nicht zum Besteigen eignen. Insgesamt sind es aber zu viele.
      Das Matterhorn steht auch auf meiner Liste, aber für die Route, die ich gerne machen würde, muss ich noch richtig klettern lernen.

  3. Toll! Danke fürs Mitnehmen auf diesen grandiosen Berg! Ich kenne ihn sonst nur von weitem und auch nur von Fotos. Für den Trip brauchst du schon Übung, oder?

    • Bitte, sehr gerne. Der große Vorteil vom Kilimanjaro ist, dass er nicht besonders anspruchsvoll ist. Mit guter Akklimatisation und der Befolgung er Regeln ist es schaffbar. Über Todesfälle am Berg schweigt die Regierung aber.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.