Fukushima – Die „Insel des Glücks“ und vier ihrer Schicksale

Das Strahlungsverseuchte Gebiet rund um Fukushima.

Die letzten Wochen habe ich begeistert die Reiseerlebnisse von Christoph gelesen. Er hat in seinen Erzählungen eine Seite von Tokio gezeigt, die jeder kennt: die verrückte Welt, die man sich erst vorstellen kann, wenn man sie selbst miterlebt hat. Berichte, die Lust auf eine Reise nach Tokio machen.

Heute habe ich dann eine andere „Geschichte“ über Tokio gelesen. Sie handelt vom Reaktorunglück in Fukushima, aufbereitet von der neuen Züricher Zeitung. In der Reportage „Keine Zeit für Wut“ erzählen die Autoren die Schicksale von vier Menschen, deren Leben durch den Unfall aus der Bahn geworfen wurde. Für die beeindruckende Dokumentation zeigt sich ein großes Team der Züricher Zeitung und Interactive Things verantwortlich. Damit ihr einen kleinen Eindruck bekommt, was euch in der mitreißenden Reportage erwartet, folgt ihr eine kurze Zusammenfassung. Ich will aber betonen, dass diese Zusammenfassung in keiner Weise die Stimmung wiedergibt, die beim Lesen der Reportage aufkommt. Also nehmt euch die Zeit, und lest euch die Reportage unbedingt ganz durch.

 

Tokios Kommunikationspolitik, verstrahle Lebensmittel, Dekontaminierungsmaßnahmen und der Kampf gegen Atomenergie

Im Epilog stellen die Journalisten von Masami Yoshizawa vor, dessen Bauernhof nur 14km von Daiichi entfernt ist. In den vier Hauptkapiteln werden vier Schicksale erzählt, untermauert durch eine Vielzahl sehr gut (!) aufbereiteter Informationen rund um das Thema.

Das erste Kapitel befasst sich mit dem Schicksal der Familie Ara. Yukari, die Mutter der vierköpfigen Familie, war zum Zeitpunkt des Reaktorunglücks Angestellte im Krankenhaus. Ihr Mann ist studierter Agronom. Sie erzählen, was sich seit dem Reaktorunglück geändert hat und wie sie heute leben.

Schulleiterin Yoshie Tamura konnte damals den Flüchtlingskindern durch eine feste Struktur wieder Sicherheit vermitteln. Sie erzählt von der Dekontaminierung der Pausenplätze und den Überwachungsmaßnahmen der Strahlenbelastung der Kinder. Der Autor geht außerdem näher auf das Thema der Strahlenbelastung ein und vergleicht anschaulich die Werte von einer Röntgenaufnahme, einem Flug, Stewardessen und verschiedenen Plätzen in Fukushima.

Osamu Sato ist das dritte Kapitel gewidmet. Der pensionierte Taxifahrer bringt die Autoren zu seinem Haus im evakuierten Iitate. Iitate ist außerhalb der Kernzone, Bewohner dürfen ihre Häuser darum zu bestimmten Zeiten besuchen. Osamu thematisiert die Kompensatioanszahlungen der Firma Tepaco genauso, wie er die Kommunikationspolitik Tokios kritisiert. Seine Frau muss heute noch durch strahlenverseuchtes Gebiet fahren, um an ihren Arbeitsplatz zu kommen – ein Alterspflegeheim.

Im letzten, vierten, Kapitel erzählen die Autoren die Geschichte von Kouichi Yoshikawa. Der Fischer ist 2011 dem Tsunami entkommen und erzählt über das derzeit große Thema in Fukushima: gesundheitliche Risiken durch verstrahlte Lebensmittel.

Im abschließenden Epilog fassen die Autoren das Unglück noch einmal in Zahlen zusammen. Die ganze Reportage „Keine Zeit für Wut“ kann hier nachgelesen werden.

Wir hoffen, dass das Leben eines Tages zurückkommt (Yukari Ara)

 

2 Kommentare

  1. Danke, liebe Tami,

    Für den Hinweis auf diese Geschichte. Als letztens verlautete, dass Fukushima schon zwei Jahre her ist, fiel mir auf, wie lange das ist, und wie wenig wir in der Zwischenzeit gehört haben…

    • Sehr gerne Elke! Ich finds immer traurig, wie schnell solche Katastrophen doch wieder in „Vergessenheit“ geraten. Mich hat es auch schockiert zu lesen, dass das Unglück schon wieder „so lange“ her ist… unglaublich.

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